Patagoniens rauhe Seiten – ?El Chaltén und El Calafate

Nach unserer tollen Zeit im argentinischen Seengebiet, zog es uns also weiter gen Süden. Wer will schon immer heile Welt und Sonnenschein? ? Wir wollten das wilde Patagonien kennen lernen – ein Grund, ?weshalb die Wahl unserer Reise auf Südamerika fiel.

Also wieder eine Busfahrt buchen. Marga Taqsa f?hrt alle 2 Tage von Bariloche nach El Chaltén. Wir stiegen am Zwischenhalt El Bolsón ein und verbrachten weitere 21 Stunden im Bus. Mittlerweile sind wir ganz gut darauf konditioniert im Bus zu schlafen. Es gibt auch Flugverbindungen, die waren in unserem Falle aber deutlich teurer und eigentlich wollen wir das Land sowieso haupts?chlich on the road ?bereisen. So konnte Erwin am n?chsten Tag wieder seine geliebten Guanakos bestaunen. ?

Trekkinghauptstadt El Chaltén

El Chaltén ist erst knapp 30 Jahre alt und hat sich in dieser Zeit vom Bergsteigerd?rfchen zur „Trekkinghauptstadt“ Argentiniens gemausert. Tagsüber (wenn das?Wetter halbwegs passt) ist in El Chaltén nicht viel los und erst abends, wenn Tageswanderer heimkehren und neue Touristen ankommen, herrscht so etwas wie Leben in den zwei Hauptstra?en,?in denen sich Restaurants, Cafés, Outdoorl?den und Tourenanbieter aneinanderreihen.

Rund um El Chaltén gibt es (für argentinische Verh?ltnisse) ein recht gro?es Wegenetz und zwei alles überstrahlende Spots – die Laguna de Los Tres zu Fü?en des Fitz Roy und die Laguna Torre am Cerro Torre – unbestritten (und da kann man eigentlich nicht diskutieren) zwei der ?sthetischsten Berge?überhaupt!

Unseren Ankunftstag verbrachten wir mit einem Spaziergang auf zwei Aussichtspunkte, von denen wir glücklicherweise ein sch?nes Panorama mit Cerro Torre und Fitz Roy hatten – das sieht man nicht jeden Tag ? Dass der Himmel sich total unspektakul?r und unfotogen im Einheitsgrau pr?sentierte, kann man darüber sogar fast vergessen…

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Am n?chsten Tag sollte es richtig losgehen: Zur?Laguna de Los Tres starteten wir von der?Hostería El Pilar, die von Shuttlebussen aus El Chaltén angefahren wird. ?ber einen leichten Waldweg erreicht man einen tollen Aussichtspunkt über den Gletscher Piedras Blancas und bald darauf das Campamento Poincenot von wo die letzte, etwas anstrengendere Stunde hoch zur Laguna de Los Tres startet. Der Aufstieg lohnt sich angesichts der tollen Ausblicke auf Fitz Roy jedoch definitiv!

Der Rückweg nach El Chaltén ist nicht schwer, zieht sich jedoch etwas hin. Immerhin ist man insgesamt ca. 25 km unterwegs.

?Etwas kürzer ist der Weg zur Laguna Torre, ca. 20 km hin und zurück. Der Rückweg verl?uft leider jedoch auf dem gleichen Weg, wenn man die Tour an einem Tag angeht. Auch hatten wir nicht das gro?e Glück, den Cerro Torre zu sehen – er versteckte sich in den Wolken…
Eine weitere Tageswanderung führt zum?Loma del Pliegue Tumbado, einem Gipfel, von dem man bei entsprechender Sicht auch einen tollen Panoramablick haben soll. Wir brachen auf, liefen ein bisschen… und brachen ab. Es war windig, die Wolken hingen tief und man hatte überhaupt keine Sicht auf keine Berge, alles war grau in grau, es regnete… Ach nein, da müssen wir dann auch keine 1000 hm rauf laufen ?
?Ein besonderes Highlight war für mich eine Gletscherwanderung auf dem Viedma-Gletscher, dem gr??ten Gletscher Argentiniens?(der jedoch auch mit rasender Geschwindigkeit abschmilzt…). Evtl. gibt es dazu noch mal einen extra Bericht, das war eine richtig coole Erfahrung, die ich hier nicht einfach so in einem Absatz einschieben m?chte ?

Wir waren insgesamt 5 N?chte in El Chaltén, haben viel gesehen, viel erlebt, sind viel gewandert, haben harte Winde (wirklich nichts im Vergleich zu dem Wind, den wir bisher in unserem Leben erlebt haben), Regen, aber auch Sonnenschein und wundersch?ne Berge erlebt. Natürlich haben wir aber nicht alles gesehen, was die Gegend zu bieten hat. Auf der Bucketlist für ein n?chstes Mal würde definitiv der Huemul Trek stehen, eine 4-Tages-Tour rund um den Cerro Huemul mit Blick auf das Eisfeld (für den allerdings etwas zus?tzliches Equipment und Permits der Nationalparkverwaltung n?tig sind). Au?erdem k?nnte man Fitz Roy und Cerro Torre auch super auf einer Mehrtagestour verbinden und in den Campamentos Poincenot und Agostini übernachten. Hier gibt es als Infrastruktur immerhin ein Plumpsklo, aber es ist kostenlos und legal. Man ist au?erdem sehr dicht an den Bergen, kann Sonnenauf- und -unterg?nge erleben, den Sternenhimmel über selbigen sehen und kann es sich sparen, Hin- und Rückweg auf gleichen Pfaden zu unternehmen.

Aber das Wetter muss passen ?

Naturschauspiel der Extraklasse – Perito Moreno Gletscher

Die Stadt El Calafate ist der Ausgangspunkt schlechthin, um eine Tour zum Perito Moreno Gletscher zu unternehmen. Für den Nationalparkeintritt und die Busfahrt zahlt man ungef?hr 50 Euro. Am Gletscher angekommen hatten wir dann 4,5 Stunden Zeit zur Verfügung. Das h?rt sich erst mal viel an, aber der Gletscher ist wirklich riesig und es gibt ein vielf?ltiges und gut ausgebautes Wegenetz, um ihn von allen Perspektiven zu beobachten.

Der Perito Moreno Gletscher ist nicht der gr??te Gletscher Argentiniens, aber der berühmteste. Das hat mehrere Gründe. Zum einen kalbt er direkt vor der Magellan-Halbinsel, sodass ihn Besucher einmalig gut von Land beobachten k?nnen. Au?erdem bewegt er sich relativ schnell, sodass man immer wieder atemberaubende Gletscherabbrüche beobachten kann.

Es ist wirklich unglaublich diesen riesigen Gletscher von Nahem beobachten zu k?nnen.

Allein die Farben. Dieses Blau. Diese Gr??e. Wow…

Sowohl die ganze Breite, die H?he, aber auch wie weit der Gletscher weiter nach hinten zum Patagonischen Eisfeld verl?uft ist faszinierend. Es knackt st?ndig, mal h?rt es sich an wie Donnergrollen, dann wieder wie ein Peitschenknall oder Gewehrschüsse.?Immer wieder sind mal kleine, mal gr??ere Eisabbrüche zu beobachten, die einen ohrenbet?ubenden L?rm verursachen.

Einmal standen wir schon eine Weile da, beobachteten den Gletscher, wie an einer Stelle immer mehr kleinere Eisbl?cke abfielen. Jedes Mal, wenn sie aufs Wasser trafen, gab es ein knallendes Ger?usch. Auf einmal ergoss sich eine ganze Lawine aus Eis in den See und wir dachten, das war es – jetzt war das ganze Eis aber in Bewegung und immer mehr und gr??ere Bl?cke fielen ab bis schlussendlich unter ohrenbet?ubendem Tosen ein riesiger Klotz Eis ins Wasser rutschte, gro?e Wellen ausl?ste und Eis in der Luft umherfliegen lies.

Eine Minute sp?ter erinnerte nichts mehr an diesen Abbruch, das Gletscher hatte sich wieder beruhigt.

Ansonsten hat El Calafate nicht besonders viel zu bieten. Das Stadtzentrum ist sehr touristisch mit vielen Souvenirgesch?ften. Natürlich kann man auch noch andere Touren in die Natur rundherum unternehmen. Wir hatten uns sogar erkundigt und die Kajaktour vor dem Upsala Gletscher klang zwar super cool, war mit 400 US-Dollar pro Person aber unversch?mt teuer… für eine Tagestour ?

Schlechtwetteralternativen und Belohnung nach harten Wandertagen

Nach El Chaltén und El Calafate kommt man als Reisender definitiv nicht wegen der sch?nen Ortschaften. Allerdings gibt es viele nette Restaurants und Cafés, in denen man auch mal einen Regentag vertr?deln und sich – viel wichtiger ? – nach einer anstrengenden Wanderung ein bisschen belohnen kann. In El Chaltén haben wir in einer kleinen, gemütlichen Schokoladenfabrik mit Café, La chocolateria, unsere besten Alfajores gegessen. Ein guter Ansporn für die letzten anstrengenden 5 Kilometer zu Fu? ? Unseren leckersten Crèpe haben wir in El Calafate in dem Café Viva la Pepa?gegessen. Die Variante mit Dulce de Leche, Banane und Sahne k?nnen wir uneingeschr?nkt weiterempfehlen ?

Aber man muss wissen, dass dieser Teil Argentiniens wahrscheinlich der teuerste ist. Auch Essen und Restaurantbesuche drücken hier mehr aufs Portemonnaie. Empanadas sind hier beispielswiee ungef?hr doppelt so teuer waren, wie in Buenos Aires.

Melli hat sich an Erwins Gletscherwandertag au?erdem eine kleine Auszeit im?Spa Yaten in El Chaltén geg?nnt. Das kleine Spa wird sehr liebevoll betrieben und es gibt nichts auszusetzen. Sowohl der Hightech-Massagestuhl, als auch Sauna und Whirlpool haben dazu beigetragen, Mellis Muskelkater zu lindern und sie fit für die n?chste Wanderung zu machen ?

In El Chaltén wollten wir dann unsere weitere Route planen und unter anderem die Campingpl?tze für den Torres del Paine Nationalpark buchen, womit wir eh schon sehr sp?t dran waren (aber dazu noch mehr in einem sp?teren Artikel). Allerdings eignet sich dieser Ort wunderbar für Social Detox, da hier die Internetgeschwindigkeit sooo langsam war, wie vor 15 Jahren unser erster Heimanschluss. Man konnte quasi gar nix im Internet machen! Das mussten wir dann in El Calafate nachholen, wo das Internet wesentlich besser lief.

Hier endet unsere Reise durch Argentinien fürs Erste. Unser n?chster Stop, Puerto Natales, ist bereits Chile und wir freuen uns sehr, ein neues Land mit neuen Eindrücken zu entdecken! ?

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